
Ein evidenzbasierter Ansatz zur motorischen und neuropsychologischen Rehabilitation.
Die Ergotherapie nutzt das therapeutische Boxen als hochwirksames, handlungsorientiertes Medium. Anders als beim Breitensport steht hier nicht der Wettkampf,
sondern die gezielte Förderung funktioneller und kognitiver Fähigkeiten im Vordergrund.
Für wen ist Therapeutisches Boxen?
Therapeutisches Boxen eignet sich hervorragend für Patienten aus folgenden Fachbereichen:
Neurologie:
Morbus Parkinson, Multiple Sklerose,
Schlaganfall-Rehabilitation, Schädel-Hirn Traumata, uvm.
Psychiatrie & Psychosomatik:
Depressionen, Burnout-Syndrom, ADHS (Erwachsene/Kinder),
PTBS, zur Affektregulation, uvm.
Orthopädie:
Funktionelle Einschränkungen insbesondere der oberen Extremität, Haltungsschwäche,uvm.
Therapeutische Wirkmechanismen
Motorische Ebene:
Koordination & Propriozeption: Kreuzkoordinative Bewegungen fördern
die neuronale Vernetzung beider Hemisphären.
Reaktionsvermögen: Training der Auge-Hand-Koordination
und der antizipatorischen Haltungskontrolle.
Kraftausdauer & Tonusregulation: Gezielter Aufbau der Rumpfstabilität
und Lockerung hypertoner Muskulatur.
Kognitive & Neuropsychologische Ebene:
Exekutive Funktionen: Handlungsplanung, Konzentration und
Aufmerksamkeit unter physischer Belastung.
Visuospatiale Wahrnehmung: Einschätzung von Distanzen und Raumorientierung.
Psychosoziale Ebene:
Affektregulation: Kanalisierung von Aggressionen und
Spannungszuständen in einem geschützten Rahmen.
Selbstwirksamkeit: Erleben von Kompetenz und
physischer Stärke steigert das Selbstbild und die Compliance.
Methodik & Sicherheit
In der Ergotherapie wird ausschließlich kontaktloses Training oder Training gegen
Pratzen/Sandsäcke durchgeführt. Es erfolgt kein Sparring (Kampf gegen einen Gegner).
Die Therapieeinheit umfasst:
Warm-up: Mobilisation und kognitive Aktivierung.
Technikteil: Erlernen von Grundschlägen zur Förderung der Fein- und Grobmotorik.
Transfer: Verknüpfung der Bewegung mit kognitiven Aufgaben
(z.B. Benennen von Begriffen während der Schlagfolge).
Cool-down: Detonisation und Reflexion der Belastung.
Warum Boxen in der Ergotherapie?
Im Vergleich zum reinen Fitnesstraining ist das therapeutische Boxen alltagsorientiert.
Wir nutzen die Bewegungsabläufe, um die Teilhabe des Patienten in seinem Lebensalltag zu verbessern, sei es durch eine verbesserte Gangsicherheit bei Parkinson-Patienten oder
eine gesteigerte Frustrationstoleranz im Berufsleben.
Wissenschaftlicher Hinweis: Studien (z.B. zur “Rock Steady Boxing”-Methode) belegen signifikante Verbesserungen der Lebensqualität und motorischen Funktionen,
insbesondere bei neurodegenerativen Erkrankungen.
Verordnungshinweis
Therapeutisches Boxen ist Bestandteil der ergotherapeutischen Behandlungsverfahren:
Sensomotorisch-perzeptive Behandlung
Psychisch-funktionelle Behandlung
Motorisch-funktionelle Behandlung
Die Abrechnung erfolgt regulär über die Heilmittelverordnung (Muster 13).
